Auf den Spuren von Till Eulenspiegel
25.04.2026
Mölln – Eulenspiegelstadt an der Salzstrasse
Wer einen Parkplatz in Mölln gefunden hatte oder mit der Bahn angereist war, traf rechtzeitig zum ersten Anlass des Schweizer Vereins Schleswig-Holstein auf dem Marktplatz in Mölln ein, wo uns unser Stadtführer Carl Mahler erwartete. Von ihm erfuhren wir einiges über Till Eulenspiegel, der 1350 in Mölln starb und dessen 96 zuweilen sehr derbe Geschichten alles andere als kindgerecht sind. Jeden Abend sollten wir drei dieser Geschichten lesen und hinten im Buch beginnen, denn da stünden die Möllner Geschichten, wurde angeregt. Bei der Nicolai-Kirche aus dem 13. Jahrhundert finden sich eine eingemauerte Gedenkplatte und die Linde, unter der Till senkrecht begraben sein soll. Umrundet man sie dreimal gegen den Uhrzeigersinn, bewahrt sie vor Geldsorgen. Wer noch weitere Wünsche hat, kann sich an den seit 1950 auf dem Marktplatz stehenden Eulenspiegel- Brunnen wenden. Dazu soll man gleichzeitig Tills rechten Daumen und die rechte Fussspitze reiben und sich im Stillen etwas wünschen.
Direkt neben der Kirche steht das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert und gegenüber zwei sehr alte Fachwerkhäuser, von denen eines seit über hundert Jahren das Eulenspiegel-Museum beherbergt. Unser Spaziergang führte weiter durch die intakte Altstadt zum Kasernenplatz mit dem Lübecker Stadthauptmannshof, der heute vor allem als kulturelles Zentrum Möllns genutzt wird. Mölln liegt eingebettet in einer hügeligen Moränenlandschaft zwischen Seen und Wasserläufen und war ein wichtiger Ort für den Salzhandel, was die Lübecker früh erkannten. Sie bauten das Städtchen zur Festung aus. Von einer Mauer umgeben und – damals – auf einer Insel gelegen, war Mölln sehr gut geschützt. Das Inseldasein endete erst 1851 mit dem Bau eines Damms für die Eisenbahn.
Herr Mahler hätte noch viel zu erzählen gewusst von Mölln, doch unsere Zeit war um. Wir stiegen hinauf zum Wasserturm und zu unserem Restaurant, wo uns für das Mittagessen ein separater Raum erwartete. Von der Teilnehmerin, die zum ersten Mal dabei war, bis zu unserem ältesten, bald 95- jährigen Mitglied war eine illustre Schar beisammen. Die Stimmung war locker, die Anwesenden zeigten sich sehr zufrieden mit dem gut besuchten Anlass und freuten sich, bisher kaum bekannte Mitglieder kennenzulernen. Es wurde denn auch ausgiebig miteinander geplaudert, am langen Tisch waren die verschiedensten Themen zu hören.
Dass im Kurpark am selben Wochenende ein grosser Gartenmarkt stattfand, bot uns zum Abschluss noch Gelegenheit zu einem gemütlichen Bummel durch das Markttreiben.
Text: Jacqueline Preisig
Fotos: Walter Zürcher